Christoph Biemann

Christoph auf dem Campus

Am 7. März 1971 lief die erste Sendung mit der Maus im deutschen Fernsehen. Beinahe 45 Jahre später läuft sie immer noch, den Kritikern der 70er Jahre zum Trotz. Pädagogen fanden sie konzeptlos und der sonntägliche Gottesdienst der Kirche konkurrierte mit ihrer Sendezeit. Die Sendung mit der Maus ist eine Erfolgsgeschichte und genießt Kultstatus. Wer kennt nicht die Titelmelodie, das sympathische Augenklimpern der orangebraunen Maus oder das Tröten des blauen Elefanten?

Seit 1975 ist der Autor, Regisseur, Produzent und Darsteller Christoph Biemann Teil des Produktionsteams der Sendung mit der Maus. Der grüne Pullover und der Schnauzer sind sein Markenzeichen. Am 10. Oktober besuchte er die Universität Trier und begeisterte 800 Kinder, Eltern und Studierende mit dem Vortrag „Experimente“. Danach sprach er mit uns über das Prinzip Maus und die Begeisterung am Erklären.

Die überraschende Frage zum Einstieg: Wie viele grüne Pullover hast du?
Eine absolut überraschende Frage. Ich habe zehn. (lacht) Die werden Gott sei Dank wieder produziert. Es gab mal so eine Durststrecke. Inzwischen gibt es sie auch in den Copyshops, wo du T-Shirts und anderes bedrucken kannst.


Warum trägst du in der Sendung mit der Maus immer einen grünen Pullover und den Schnauzer?
Ja, der Schnauzer gehört irgendwie dazu, aber ich würde ihn auch gerne mal absäbeln. Aber das geht irgendwie nicht. Der grüne Pulli ist zum Markenzeichen geworden. Das kommt daher, dass wir mal die Atom-Maus gemacht haben. Der Dreh ging über mehrere Wochen und da musst du immer das Gleiche anhaben. Ich hatte zwei grüne Pullis im Schrank und dachte, da kann einer mal in der Wäsche sein und ich habe noch den anderen. So kam das. Deswegen grün. Das hat keine andere Bedeutung.


Was ist das „Prinzip Maus“?
Das Prinzip Maus ist einerseits, den Kindern und den Erwachsenen das Gewohnte zu liefern, etwas das sie erwarten, und gleichzeitig immer zu überraschen, etwas Neues zu machen, zu experimentieren, neue Dinge aus­probieren. Ich nenne es auch, das Geheimnis der Maus. Manchmal leite ich Seminare unter dem Namen „Das Prinzip Maus“. Am Anfang des Seminares sage ich immer zu den Teilnehmern: Es gibt kein Prinzip Maus. Es gibt nur: Strengt euch an, wenn ihr etwas gut erklären wollt. Verwendet Energie drauf, etwas gut zu erklären. Überlegt euch, wie kann ich etwas noch bes­ser erklären und nicht einfach loszulegen. Da gibt es ein paar Tricks, zum Beispiel dass man eine Geschichte erzählt oder Bezug zu den Leuten herstellt, denen man etwas erklären möchte. Solche Dinge.

Als Kind fragt man sich schnell, warum weiß das der Christoph denn nicht und warum ist der so tollpatschig?
Im Prinzip versetze ich mich in die Rolle eines Kindes, das auch vieles nicht weiß. Als Erwachsener, wenn wir mal ehrlich sind, wissen wir vieles auch nicht. Das geht mir ganz oft zu Anfang eines neuen Filmes so. Ich bekomme eine Frage zugeschickt und kenne die Antwort nicht.



Wenn du einen Vortrag über das Erklären vor Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden der Universität Trier halten könntest, würdest du ihnen das Prinzip Maus nahelegen?
Ich würde Ihnen nahelegen, dass sie sich anstrengen alles gut zu erklären, sie sich Mühe geben und auch mal darüber nachdenken, wie kann ich es besser erklären.


Warum liegt dir das Erklä­ren so am Herzen?
Ich hatte ein persönliches Erlebnis. Ich war als 17-Jähriger in Amerika. Es war in einer Zeit, in der es Konflikte, wie den Vietnamkrieg gab. Ich war an der Harvard-Universität und habe da tolle Lehrer kennengelernt, die wirklich gut erklären konnten. Sie waren locker, weil sie schon alles erreicht hatten, außer den Nobelpreis. Sie haben toll und ganz einfach erklärt. Sie mussten sich nichts mehr beweisen und sie mussten nicht mehr beweisen, dass sie gute Wissenschaftler sind. Dann kam ich nach Deutschland zurück und habe Psychologie studiert. Es wurde mir erklärt, wer was wann gesagt hat, welche Schulen das Eine sagen und welche das Andere sagen. Es ging eigentlich gar nicht mehr um Psychologie, sondern um das Gedankengebäude Psychologie. Das hat mich eigentlich sehr geärgert. Da hab ich mir gedacht, dass man Sachen so erklären muss, dass es jeder versteht.

Du bist Buchautor und hast mittlerweile fünf Bücher veröffentlicht. Warum schreibst du Bücher?
Um Geld zu verdienen und weil es mir Spaß macht. Das letzte Buch war das Entdecker-Buch. Das war sehr anstrengend. Es ist immer so, wenn man ein Buch in Arbeit hat, hat man eigentlich keine Freizeit mehr. Man tut seine Arbeit und irgendwie muss man auch immer an dem Buch noch etwas machen. Es hat vier Jahre gedauert bis es fertig war. Deswegen hab ich danach keins mehr geschrieben. Das kommt sicher noch mal.

Würdest du dein Buch als Schul-Lehrbuch empfehlen?
Nein. Es ist ein Buch, das unterhalten will. Es baut nichts davon aufeinander auf. Es sind einfach interessante Geschichten. Du sagst, dass die Sendung mit der Maus keine Sendung ist, die lehrreich sein soll. Richtig. Die Sendung will unterhalten. Wenn man irgendetwas erfährt, was einen schlauer macht, als vor ein paar Minuten, ist das ein gutes Gefühl und das ist Unterhaltung. Wenn etwas dabei hängen bleibt, umso besser. Das schadet ja nicht.

Deine These ist also: Die beste Unterhaltung ist, Wissen wei­ter zu vermitteln.

Lernen um zu unterhalten. Das wird leider in unserem Bildungssystem so ein bisschen verbuddelt. Eigentlich macht Lernen Spaß.

Wem würdest du deine Bücher als Lektüre empfehlen?
Allen interessierten Menschen. Man braucht dafür kein Grundwissen, nur die Neugierde.

Du bist Schirmherr vom Bundesverband Herzkranker Kinder, der SOS-Kinderdorf-Stiftung und Pate eines Kinderhospizes Bethel. Wie kommst du zu deinem Engagement?
Man wird gefragt und dann kann man nicht Nein sagen. Für die Herzkranken Kinder mache ich relativ viel. Für sie bin ich in einer Jury von einem Preis für Journalisten. Da geht es um Sendungen oder Artikel über herzkranke Kinder, die in diesem Zusammenhang bepreist werden sollen. Für SOS-Kinderdorf bin ich öfter auf Veranstaltungen, damit die Kinder in die Zeitung kommen. Ganz einfach.

Warst du schon Mal in Trier?
Ich war schon Mal in Trier, als wir einen Film über Messwein gemacht haben. Hier gibt es ja die Bischöflichen Weingüter Trier, wo auch Mess­weine hergestellt werden.

Was ist dir von Trier hängen geblieben?
Die schöne Porta Nigra, die Basilika und der gute Messwein natürlich.

In diesem Wintersemester 2015/16 beginnen etwa 2.100 Studierende ihr Studium an der Universität Trier. Was würdest du unseren Erstsemestern gern mit auf den Weg geben?
Sie sollen sich ihre Begeisterung möglichst lang erhalten. Die Begeisterung und die Neugierde sind wichtig für das Studium. Das ebbt im Verlauf des Studiums meistens etwas ab: Deshalb: Solang es geht, begeistert bleiben.

Wie kann man die Begeisterung erhalten?
Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Man muss einfach begeistert sein und darf sich nicht unterkriegen lassen.

Was ist dein persönlicher Antrieb, um deine Begeisterung zu erhalten?
Ich werde immer dafür belohnt, dass ich neugierig und begeistert bin. Also gebe ich es gern zurück. Ich habe kein Problem motiviert zu sein.