Christoph Biemann

Auf der Suche nach dem Sinn

Moderator - Autor & Regisseur
Moderator - Autor & Regisseur

Christoph Biemann kennen viel wahrscheinlich als den "Christoph von der Maus". Mit der Sendung haben er und Armin Maiwald einen Meilenstein im deutschen Fernsehen geschaffen: seit über 50 Jahren gibt die Maus mit ihren Lach- und Sachgeschichten nun Antworten auf Kinderfragen.

In den vielen Jahren hat Christoph Biemann niemals genug bekommen von seinen Job er arbeitet immer noch für den WDR in Köln – und liebt an seinem Job, dass er jeden Tag neues lernt. Als wir ihn treffen, sieht er genau so aus, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Vielleicht ist sein Jugendelixier tatsächlich seine unstillbare Neugier.

Sie sind selbst Vater. Verleihen Kinder dem eigenen Leben einen neuen Sinn?

Ich glaube schon, denn nach meiner Beobachtung stellen sich Eltern von kleinen Kindern diese Frage nie. Weil er einfach da ist der Sinn.

Was fasziniert Sie am Kinderfernsehen?

Ich war noch jung, als ich mich an der Filmhochschule für diese Richtung entschieden habe, aber ich habe die Wahl noch nie bereut, weil Kinderfernsehen ein sehr offenes Berufsfeld ist. Man muss sich nicht so festlegen, kann eigentlich alles machen. In meinem Job kann ich fragen, was ich will, und werde dafür auch noch belohnt. Normalerweise nimmt die Neugier mit dem Älterwerden ab, denn nachfragen bedeutet, dass man etwas nicht weiß, und das gibt man als Erwachsener natürlich nicht so gerne zu.

Woher kommt die Neugier?

Ich würde sagen, die ist mir angeboren. Die Eltern meiner Freunde sagten früher schon immer: Bring den nicht mit, der fasst immer alles an! Ich war einfach so neugierig, dass ich immer alles genau untersuchen wollte.

Hatten Sie einen Traumberuf als Kind?

Ganz lange wollte ich Biologe werden. Nur leider konnte ich dann nur schlecht durch das Mikroskop gucken, meine Augen werden da schnell müde. Das ist natürlich für einen Pflanzenforscher essentiell. Dann bin ich halt Fernsehmensch geworden und mit der Maus ja irgendwie auch Biologe.

Was haben Sie selbst bei der Maus gelernt?

Oh, jede Menge! Ich habe wahrscheinlich so viele Fabriken von innen gesehen wir kein anderer. Wenn man beim Dreh stundenlang neben einer Maschine steht und einen Arbeiter den ganzen Tag begleitet, dann weiß man, warum er es macht und was er für Probleme hat. Wenn man mit den Menschen spricht, die am Fließband arbeiten und immer die selben Handgriffe machen, sage die oft, sie sind total glücklich damit. Man kann bei der Arbeit gut anschalten und wenn man abends nach Hause geht, fängt das Leben an.

Wer am Fließband arbeitet, beantwortet die Frage nach dem Sinn sicherlich anders.

Das denke ich nicht unbedingt. Das Problem ist ja, sobald man sich die Frage stellt, ist es eigentlich schon zu spät. Denn es gibt keine wirkliche Antwort. Ich würde sagen, der Sinn liegt darin, etwas sinnvolles zu tun. Auf die Umwelt aufzupassen, auf seine Mitmenschen und so zu leben, dass man sich persönlich weiterentwickelt und sich mit den Gedanken anderer beschäftigt. Dabei ist es egal, was man arbeitet.

Was ist für Sie persönlich der Sinn des Lebens?

Ich habe keinen persönlichen Sinn. Es ist nicht so, dass ich mein Leben als sinnlos empfände, aber die Frage stellt sich für mich gar nicht. Ich denke mir eher: Die armen Leute, die sich die Frage stellen.

Aber es gibt doch sicherlich Momente in Ihrem Leben, die sich besonders sinnerfüllt angefühlt haben?

Tatsächlich war es ein sehr bewegender Moment für mich,als ich in Freiburger Fraunhofer Institut auf einen jungen Wissenschaftler traf, der auf mich zukam, mir die Hand schüttelte und sagte: „Wegen dir bin ich hier“! Da hatte ich da Gefühl, doch was richtig gemacht zu haben.

Der Sinn des Lebens

"Das Problem ist ja, sobald man sich die Frage stellt, ist es eigentlich schon zu spät. Denn es gibt keine wirkliche Antwort."

Wann sind Sie Glücklich?

Wenn die Sonne scheint, wenn alle um mich herum glücklich sind, das ist wichtig. Und wenn ich bei der Arbeit im Flow, wenn ich an etwas arbeite und dann auf etwas anderes komme. Glück empfindet man ja immer nur als einen Moment. Mache wollten diese Momente immer wieder erleben, wie Drogensüchtige. Leider funktioniert das so gut wie nie und endet nur mit Frust. Zufriedenheit dagegen ist ein Zustand, der lange anhalten kann und kein Nachtanken braucht. Ich bin ein zufriedener Mensch, was auch mit Naturell zu tun hat.

Gibt es eine Tätigkeit, bei der Sie das Zeitgefühl verlieren?

Ja, beim Socken anziehen morgens. Da sitze ich da und sinniere so vor mich hin und dann merke ich plötzlich: "Oh, zehn Minuten vorbei!" - und dabei habe ich nur einen Socken angezogen. Das sind Momente, in denen ich komplett die Zeit vergesse.

Welchen Radschlag geben Sie gerne weiter?

Neugierig zu sein! Das rate ich gerne und auch aus vollem Herzen, voller Überzeugung! Neugierig sein und sich wundern sind die Grundlage von allem: von Wissenschaft, von Erkenntnis, von Lernen.

Gibt es etwas, was Sie selbst gerne noch lernen würden?

Ich würde gerne ein Musikinstrument spielen können. Kein bestimmtes, es geht mir nur darum, eine Melodie, die mir in den Kopf kommt, spielen zu können. Ich habe ein wahnsinnig gutes musikalisches Gedächtnis. Wenn man mir eine Melodie einmal vorgespielt hat, dann kann ich die.

Bei der Sendung mit der Maus beantworten Sie häufig auf Fragen, die Kinder Ihnen zugeschickt haben. Haben sich die Kinderfragen eigentlich in den letzten 50 Jahren verändert?

Es ist deutlich, dass Umwelt Aspekte heute eine große Rolle spielen. Vor 50 Jahren wurden wir nicht gefragt: Was passiert wenn mit dem Plastikball, wenn der mal kaputt geht? Damals hat man den einfach weggeschmissen. Aber heute wird gefragt: Wird der recycelt, weht das Plastik ins Meer, fressen die Fische das? Der Blickwinkel ist ein anderer geworden. Auf der anderen Seite sind die Kinder einfach neugierig, da sind sie heute genauso wie vor 50 Jahren, daran hat sich nichts geändert.

Gibt es eine Kinderfrage, an der Sie verzweifelt sind?
Verzweifelt nicht, aber Tod und Gott sind Themenbereiche, wo man passen muss.

Glauben Sie eigentlich selbst an Gott?
Ne.

Wie blicken Sie dann auf den Tod: Wir sterben und das war´s?

Ja. Vielleicht hinterlasse ich was mit der Fernsehsendung, aber wenn ich das nicht täte dann wäre es eben so und das wäre auch kein Problem. Die Leute, die an den Himmel oder an Wiedergeburt glauben, brauchen das vielleicht, und das kann ich auch gut verstehen. In gewissen Situationen spendet das sicherlich Trost, aber ich persönlich finde es unrealistisch.

"Glück empfindet man ja nur als einen Moment. Manche wollen diese Momente immer wieder erleben, wie Drogensüchtige: Zufriedenheit dagegen ist ein Zustand. Der lange anhalten kann und kein Nachdenken braucht".

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein. Ich bin mir sicher, ein ausreichend gutes Leben geführt zu haben.



Sind Sie ein Mensch, der eher in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft lebt?

Sehr in der Gegenwart.

Glauben Sie denn, dass unser Leben auch einen Sinn hätte, wenn wir unsterblich wären?

Das wäre keine gute Idee. Es ist eigentlich ganz gut, dass wir sterblich sind, weil das auch irgendwie alle gleich macht. Am Schluss eines jeden Lebens steht der Tod.

Wann fühlen Sie sich lebendig?

Jetzt. Ich bin nicht tot, da bin ich mir ganz sicher (lacht).

Was ist Ihr Elixier, das Sie jung hält?

Vielleicht hält mich meine Neugier jung, aber vor allem meine Kinder und meine Frau. Weil sie dafür sorgt, dass ich mich nicht berühmt fühle. Dieses Interview führen wir ja gerade nur deshalb, weil ich öfters im Fernsehen bin. Da ist nicht Besonderes dran. Ich mache eine gute Arbeit und das ist es.

Haben Sie neben der Arbeit eigentlich noch andere Hobbys?

Die Arbeit ist doch mein Hobby (lach)! Mit meiner Frau habe ich verabredet, dass ich abends im Normalfall um halb acht zu Hause bin, sonst würde ich sicher noch länger sitzen bleiben.

Was habe Sie über das Leben gelernt?

Ich bin natürlich viel herum gekommen und habe viele Menschen kennen gelernt. Aber ob dass das Leben ist, das weiß ich nicht. Es ist ja für jeden nur ein Ausschnitt. Ich denke, wenn man etwas über das Leben wissen will, dann sollte man Bücher lesen. Ins Leben anderer Menschen einzutauchen oder andere Geschichten zu erleben, das finde ich schön.

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